Immer wieder verfällt nicht nur die bürgerliche Medienlandschaft in Zeiten des Kalten Krieges, sondern auch Teile der radikalen Linken. Sie haben die Lügen der bürgerlichen Aufklärung in sich wie ein nasser Schwamm aufgenommen. Vor allem von Anarchisten, ob alt oder jung, wird Kommunisten vorgeworfen, dass sie nicht emanzipatorisch sind. Da sie Herrschaft reproduzieren und somit keine Befreiung anstreben würden. Was ist aber Emanzipation im eigentlichen Sinn in Abgrenzung zum Kampfbegriff von wirren Ideologien. Laut dem Super-Informationsmedium Wikipedia stammt Emanzipation von dem lateinischen emancipare, dies bedeutet einen „Sklaven oder erwachsenen Sohn“ aus dem mancipium, der „feierlichen Eigentumserwerbung durch Handauflegen“, in die Eigenständigkeit zu entlassen. Frei kann man es sicherlich auch als Befreiung von Unterdrückung verstehen, so wird es zumindest von den kritischen Kritikern begriffen. Der Vorwurf lautet also Kommunisten wollen keine Befreiung von Unterdrückung. Argumentiert wird dieser Behauptung damit, dass Kommunisten die Befreiung vom Eigentum über den Sozialismus erreichen wollen. Sozialismus heißt verkürzt die Diktatur des Proletariats plus Planwirtschaft bis zur ihrer eigenen Auflösung zum Kommunismus. Kommunisten streben also eine Übergangsgesellschaft an, in der die Herrschaft genau genommen die politische Unterdrückung durch eigene Herrschaft aufgehoben werden soll. Kurz: Herrschaft gegen Herrschaft!
Hier setzt die anarchistische Ideologie an und vertritt, dass dies ein unlösbarer Widerspruch ist. Es gibt nicht die anarchistische Ideologie, sondern viele Strömungen. Jeder kann sich als Anarchist sehen, der Herrschaft ablehnt. Demzufolge ist der Anarchismus keine einheitliche Strömung. Es gibt die marktradikalen Libertarianisten oder die Anarchokommunisten. Doch um den Anarchismus zu fassen, gehen wir vom klassischen Anarchismus von Bakunin aus. Natürlich haben sie weder von Dialektik noch im konkreten von dialektischen Widersprüchen gehört oder es verstanden. Denn gerade in dem Widerspruch des Sozialismus liegt die Lösung des Problems der Herrschaft, nur in dem die Unterdrückten selber die Herrschaft an sich reißen, können sie die allgemeine Herrschaft aufheben, so zumindest die Theorie. Natürlich steckt auch in der Kritik der AnarchistInnen ein Funken Wahrheit, da Macht sich reproduziert. Folglich können im Sozialismus Schichten entstehen, welche ein Interesse am status quo haben werden, dagegen muss man gerüstet sein und die Machtpole verteilen und so gegensätzliche Mechanismen von Kontrolle schaffen. Dies kann scheitern, ist aber nicht zum Scheitern verurteilt. Der Anarchismus hingegen ist eine reine Ideologie, eine Kopfgeburt. Alles wird aus einer Moral heraus erklärt und somit moralisiert. Der Anarchismus ist Ideologie und nicht Wissenschaft, weil er nicht die realen Verhältnisse untersucht und daraus die Theorie ableitet, sondern eine losgelöste Ideologie darstellt. Deswegen kann der Anarchismus auch die Herrschaft zwar dämonisieren, aber nicht aufheben. Wer die Ursachen für Kategorien nicht kennt, kann sie zwar aufheben wollen, wird aber es nicht schaffen. Alle klassischen Anarchisten haben z.B. die Herrschaft abgelehnt, aber das Eigentum heilig gesprochen. Bakunin als einer der Hauptideologen war nicht nur ein krasser Antisemit, sondern auch ein Verfechter des Kleineigentums. Der Zweck der Herrschaft als politische Gewalt ist aber gerade das Eigentum zu schützen, deshalb ist er entstanden und mit ihm die Klassengesellschaft. Wer also das Eigentum nicht abschaffen will, kann von der Aufhebung der Herrschaft höchstens träumen. Es gibt aber auch Halbanarchisten oder Anarchokommunisten. Auf diese Strömung werde wir in der nächsten Zeit mal eingehen, die Vertreter sind sich aber auch nicht einig. Sehen wir sie zunächst als halbgeheilt vom Irrglauben an.
Also die anarchistische Ideologie ist ein reines Gedankenkonzept ohne reale Voraussetzungen. Klären wir einmal die realen Voraussetzungen der Aufhebung von Herrschaft aus klassisch anarchistischer Sicht. Man müsste alle Menschen vom Anarchismus vor einer Revolution überzeugen oder den Rest liquidieren. Da ansonsten Herrschaft notwendig sein muss um diese davon abzuhalten eine Konterrevolution anzustreben. Einsperren kann man sie natürlich als Anarchist auch nicht, weil dadurch wieder Herrschaft ausgeübt wird. Mögen hier Anarchisten einwerfen, dass die freie Assoziation von Individuen eine Art Räte- oder Kommunennetzwerk aufbauen könnten und man somit den Staat zumindest aufheben kann. Doch der Staat ist ja gerade die organisierte politische Gewalt und Herrschaft. Ein Unterdrückungswerkzeug einer Klasse gegen eine andere Klasse. Bei den Anarchisten also das Kommunennetzwerk, welches der Konterrevolution entgegensteht. Mag man hier zwischen Klasse und Revolutionsbefürworter unterscheiden, doch im Wesen und an der politischen Gewalt verändert es nichts.
Man kann den AnarchistInnen vielleicht unterstellen, dass sie eigentlich gute Absichten haben und nur auf dem falschen Weg sind, doch Ideologie entfaltet dort Wirkung, wo sie versucht wird in reale Verhältnisse zu übersetzen. Die Geschichte ist voll von Beispielen, bei dem der Anarchismus in krassem Antikommunismus umschlug. Deshalb ist die Kritik am Anarchismus zu verstärken und die Jugend für den wissenschaftlichen Sozialismus zu gewinnen, dies werden wir jedoch nur durch eine gemeinsame Arbeit erreichen können.
Der Vorwurf „Kommunisten seien nicht emanzipatorisch“ ist folglich umzukehren und die Unmöglichkeit der anarchistischen Emanzipation darzustellen, bis wir uns von den Anarchisten emanzipiert haben!